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Wir wünschen uns so sehr ein Kind – warum klappt es einfach nicht?

Veröffentlicht von Franziska Stawitz in der Kategorie Beziehungen und Sexualität

Der Kinderwunsch ist da. Und das seit Jahren. Ja, bitte, wir wollen Kinder. Unbedingt. Und dennoch: es klappt einfach nicht. Dabei haben wir doch alles versucht. Haben uns Hilfe geholt. Professionelle medizinische Hilfe. In privaten Kinderwunschzentren oder den Kliniken für Reproduktionsmedizin. Oft beginnt ein Untersuchungsmarathon. Bauch- und Gebärmutterspiegelung, Hormonuntersuchungen, Spermiogramm. Bangen, hoffen – ja, alles in Ordnung. Und dennoch will es nicht klappen.


Liegen weder organische Störungen noch funktionelle Fehlfunktionen vor, die die Fruchtbarkeit mindern, ist das Ausbleiben der Schwangerschaft idiopathisch. Ursache unbekannt. Hm – und nun? Wie weiter? Am besten – nach innen hören. Vielleicht lassen sich dort die Antworten finden, wenn wir tief in uns hineinhören.


Welche Kinderwunschmotive begleiten uns durch die Zeit? Warum ist es uns wichtig, Kinder zu bekommen? Was treibt uns an? Geht es möglicherweise für uns darum, dass Kinder zum Leben einfach mit dazugehören?! Credo: das war schon immer so – und wird auch so bleiben. Mit dieser Einstellung sind wir aufgewachsen. Mutter-Vater-Kind. Oder ist der Kinderwunsch eher selbstbezogener Natur? Möchte ich im eigenen Kind weiterleben – oder könnte ein Kind mein Lebensinhalt sein? Erträume ich mir Zuwendung durch mein Kind, fliehe ich vor anderen (meinen) Lebensaufgaben und soll ein Kind vielleicht auch etwas gut machen, alte Verletzungen heilen?


Ein aufkommender Kinderwunsch kann durchaus auch partnerbezogen sein. Muss ein Kind her, um die Beziehung zu kitten, die „Liebe“ zu retten, oder ist ein gemeinsames Kind Symbol einer funktionierenden Beziehung? Nach dem Motto: jetzt haben wir geheiratet – und nun lautet der nächste Programmpunkt: Kind. Nicht zuletzt kann auch der Druck von außen dazu führen, dass wir meinen, jetzt sei der richtige Zeitpunkt für den Nachwuchs. Inwiefern kommt das soziale Umfeld hierbei ins Spiel? Spiegeln uns Eltern/Großeltern in Gesprächen wider, dass es doch nun mal Zeit wäre für einen kleinen Enkel/Urenkel und inwieweit spielen Gründe der eigenen Emanzipation bzw. Loslösung von den Eltern hinein, für Nachwuchs zu sorgen?


Das Unbewusste ist uns bewusster als uns lieb ist. Es steuert uns tagtäglich – auch wenn es um unseren gemeinsamen Kinderwunsch geht. Die Frage ist nur, ob dieser Kinderwunsch auf beiden Seiten gleich stark ausgeprägt ist? Haben wir das richtige Alter, stimmt der Zeitpunkt wirklich, wo liegen unsere aktuellen Lebensthemen, passt der Job noch, wie stehen wir zu Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft? Sind wir in unserer eigenen Entwicklung so weit vorangeschritten, dass wir bereit sind Verantwortung zu übernehmen? Dass wir bereit sind, unser Leben umzukrempeln – denn nichts anderes passiert, wenn wir uns dazu entschließen, ein Kind zu bekommen. Das eigene Leben wird von rechts auf links gedreht. Und das macht was mit der Partnerschaft. Ohne Frage. Aus der Dyade wird eine Triade. Aus dem Zweiergespann – ein Dreiergespann. Und das hat weitreichende Konsequenzen. Das bisherige Modell wird über den Haufen geworfen – die Rollen mischen sich neu. Müssen neu ausgehandelt werden.


Und: sich mit der eigenen möglichen Elternschaft auseinander zu setzen, heißt auch der eigenen Kindheit erneut zu begegnen. Was hat mich geprägt? Welche Rollenvorstellungen von Mann und Frau, von Elternschaft wurden mir mitgegeben? Wie gehe ich damit um und was davon möchte ich so leben/oder auch nicht leben? Gibt es unverarbeitete Traumata, die meinen aktuellen Kinderwunsch maßgeblich beeinflussen? Der Blick nach innen ist wichtig – der ehrliche Blick nach innen. Und dann das Wort nach außen. An meinen Partner. Meine Partnerin. Bin ich bereit für ein Kind? Sind wir bereit für ein Kind?


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