Coaching beginnen
post image
Wie Sie vom Denken ins Handeln kommen
Martin Buttenmüller – Motivation & Selbstbewusstsein

Eigentlich wissen wir, was zu tun ist. Oder womit wir aufhören sollten, weil es uns schadet. Aber wir tun es nicht und wir lassen es auch nicht. Und quälen uns dann noch mehr als vorher, weil wir uns als ungenügend und schwach empfinden. Weil wir zwar die Einsicht, aber nicht die Kraft und die Mittel finden, zu handeln. 

In dieser Situation hilft ein Blick zum berühmten Münchhausen. Eine seiner unglaublichen Geschichten war, wie er samt seinem Pferd fast in einem Sumpf elend untergegangen wäre. Doch dann war ihm die rettende Idee gekommen, und so zog er sich samt Pferd an den eigenen Haaren aus dem Sumpf und konnte weiterreiten. Sie glauben die Geschichte nicht? Ich schon. Denn ich glaube fest daran, dass wir uns selbst aus den Sümpfen unseres Lebens befreien können. Manchmal braucht man dazu einen Coach, um zu wissen, wie das geht. Aber es tun, sich selbst von dem lähmenden Morast zu befreien und wieder ins Handeln zu kommen, das können die meisten von uns sehr gut schaffen.

Schauen wir uns mal an, was die Lähmung, die uns angesichts des notwendigen Handelns befällt, verursachen könnte. Oft ist es unser Ehrgeiz, der uns dazu bringt, uns große Ziele zu setzen. Und wenn wir dann diesen riesigen Berg sehen, dessen Besteigung wir uns vorgenommen haben, verlieren wir den Mut, erstarren vor Ehrfurcht. Hier liegt es nahe, sich kleine, überschaubare Ziele zu setzen. Statt dem riesigen Berg sind es dann nur noch kleine Hügel mit angenehm sanft ansteigenden Wegen, die uns zu unseren Teilzielen führen. Schaffen wir das? Aber klar doch, und schon geht es los. Eine andere Ursache ist die Erfahrung des Scheiterns. Wir haben die Karre schon einmal an die Wand gefahren, und verständlicherweise zögern wir, erneut Gas zu geben. Das könnte darauf hindeuten, dass wir das Vergangene noch nicht richtig aufgearbeitet haben. Wir haben noch nicht so richtig verstanden, wie es zum früheren Scheitern kam. Und diese Ungewissheit macht uns Angst, die uns lähmt. Deshalb gilt es hier – so schwer es im Einzelfall auch fallen mag – das alte Thema noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie werden einen paradoxen Effekt feststellen: Je genauer Sie die Gründe dafür, warum sie es letztes Mal nicht geschafft haben, kennen, desto weniger beeindruckend sind sie. Das ist wie beim Scheinriesen bei Lukas und dem Lokomotivführer: je näher er kommt, desto nahbarer und ungefährlicher erscheint er.

Aber vielleicht machen uns auch mögliche Konsequenzen unseres Handelns – wirkliche oder eingebildete – Angst. Was kann passieren, wenn wir Fehler machen? Das ist gar nicht so weit hergeholt, denn vieles lässt sich nicht ganz genau kalkulieren. Wenn wir unseren sicheren Arbeitsplatz kündigen und in die Selbstständigkeit gehen, bekommen wir vielleicht keine Aufträge, könnten krank werden oder vermasseln es einfach, weil wir es nicht richtig können. Oder wenn wir uns beim Vorgesetzten über unseren übergriffigen Kollegen beschweren, könnten sich beide zusammentun und uns aus dem Job mobben. Versuchen Sie hier einmal konsequent zu katastrofieren: Sie werden krank, werden verlassen, alles, was schiefgehen kann, geht schief, und zum Schluss stehen Sie allein und mittellos in der Welt und landen schließlich buchstäblich in der Gosse. Es macht Spaß, sich das mal in den buntesten Farben auszumalen, und es nimmt die Angst, denn die meisten, die ich berate, sagen dann zum Schluss: „Naja, das ist ja eigentlich Quatsch, das passiert nicht.“ Und schon ist die Angst vor den Konsequenzen vielleicht nicht völlig weg, aber kleiner, beherrschbarer.

Und dann ist es vielleicht gar nicht so gut, sich solange mit den Ursachen der Handlungsblockade zu beschäftigen. Denn die Lösung des Problems hat mit ihrer Ursache vielleicht überhaupt nichts zu tun. So wie ich mal mit meinem alten Auto liegengeblieben bin, aus dem Motorraum quollen dunkle Rauchwolken, und der Motor machte die schrecklichen Grunzgeräusche angreifender Zombies. Was nun genau kaputt war, interessierte mich nicht weiter: offensichtlich waren die Schäden so groß, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnen würde. Die Lösung für mein Mobilitätsproblem lag darin, dass ich mir ein neues Auto kaufte. Die Ursache des Problems (vermutlich eine kaputte Ölpumpe) und meine Lösung (der Kauf eines neuen Autos) hatten also nichts miteinander gemein. Ich musste nicht die Ursache suchen, um eine Lösung zu finden. Ich suchte nach einer Lösung und fand eine. Und deshalb sollte man zwar schon auf die Probleme schauen, denn sie bergen oft nützliche Informationen, mit denen man weiterkommt (zum Beispiel gelegentlich mit dem Auto zur Inspektion fahren). Aber man sollte sich bei der Suche nach Lösungen nicht darauf beschränken, sondern den Kopf hochnehmen und schauen, wo noch Lösungen herkommen können.

Kluge Worte, natürlich, aber wie kommt man denn jetzt ins Handeln? Die Antwort möchte ich nicht schuldig bleiben, auch wenn ich fest daran glaube, dass jeder Mensch und jedes Problem seine individuell passende Lösung benötigt. Deshalb hier meine 5 ultimativen Tipps mit dem Hinweis, dass jeder davon ein Impuls ist, in eine bestimmte Richtung zu denken und sich daraus eine eigene Lösungsstrategie zu bauen.

Tipp 1: Tun Sie etwas, das eine Eigendynamik entwickelt. Wenn Sie sich über Ihren Kollegen beschweren sollen, bitten Sie beim Chef um einen Termin. Ist das gemacht, kommt das auf Sie zu, ob Sie wollen oder nicht – Sie müssen handeln.

Tipp 2: Erzählen Sie Ihren Freunden und Bekannten davon. „Morgen beschwere ich mich beim Chef“ oder „Heute rufe ich bei der IHK an und bitte um einen Beratungstermin für Gründer“. Wenn andere von Ihrem Vorhaben wissen, erhöht das die Energie, mit der Sie das Vorhaben auch umsetzen.

Tipp 3: Tun Sie das, was eigentlich ganz zuletzt zu tun wäre, zuerst. Wenn Sie zum Beispiel die Zusage für einen neuen Job haben und ihren alten kündigen müssen, schreiben Sie die Rede, die sie beim Abschiedsumtrunk mit den Kollegen halten wollen.

Tipp 4: Machen Sie eine kleine Zeitreise in die Zukunft. Sie arbeiten bereits bei einem anderen Unternehmen und denken an die Zeit, in der Sie sich jetzt befinden, zurück. Wie werden Sie die Entscheidung beurteilen? Welchen Rat würde Ihnen der Mensch aus der Zukunft geben?

Tipp 5: Hilfreich sind immer Entspannungsübungen. Denn oft wir handeln nicht, weil wir Angst davor haben, was alles passieren könnte. Die Angst geht in uns über, verselbständigt und generalisiert sich, blockiert uns. Wenn wir uns entspannen, entweicht die Angst, denn Entspannung und Angst, das verträgt sich nicht gut.

Schließlich noch ein Hinweis für den Umgang mit sich selbst. Es ist völlig normal, dass man nicht unmittelbar nach einer Erkenntnis ins Handeln kommt. Der Volksmund kennt dazu viele Sprüche, zum Beispiel „Eile mit Weile“ oder „Gut Ding will Weile haben“. Seien Sie gnädig mit sich selbst, wenn es mal eine Weile nicht vorangeht und Sie nicht ins Handeln kommen. Wenn der richtige Moment da ist, werden Sie es wissen - und handeln. 

Martin Buttenmüller ist Journalist, Heilpraktiker für Psychotherapie, Systemischer Berater (SG), Systemischer Therapeut (SG) und Coach bei talknow.

Jetzt mit Martin Buttenmüller zu diesem Thema sprechen.

← Zurück zur Übersicht