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Wenn die Luft brennt
Manuela Henrich-Eggert – Beziehungen und Sexualität

"Ich bin so sauer....!"

Wer kennt diesen Satz nicht? Wir haben uns furchtbar gestritten. Mit unserem Partner/PartnerIn**, mit unserem Kollegen/ der KollegIn**, mit unseren Vorgesetzten, Freunden, Mitarbeitenden, Kunden und KundInnen**. Und wütend sind wir immer noch. Das Gefühl ist so übermächtig, dass es uns zur Raserei bringt. Und dann kommt jemand und erteilt den Rat "Du musst sachlich bleiben!". Spätestens jetzt steigt mein Puls ins Unermessliche und mir pfeifft Dampf aus den Ohren.

Sachlich bleiben. Alle anderen scheinen dies zu können. Dabei ist dieses Gefühl der Wut so unfassbar stark. Und dann reißen wir uns zusammen, schlucken den Kloß hinunter und bemühen uns innerhalb eines halbwegs zivilisierten Gespräches mit Argumenten und Sachlichkeiten die Ursache zu beheben, treffen Vereinbarungen und gehen ganz erwachsen Kompromisse ein.

Und schon in der nächsten, ähnlichen Situation ist die Wut zurück und die Luft brennt erneut. Dabei war doch alles geklärt...oder nicht?

Gefühle und Emotionen entstehen durch Bedürfnisse. Befriedigte Bedürfnisse führen zu positiven Emotionen, unbefriedigte Bedürfnisse führen zu negativen Emotionen. Leider wissen wir häufig gar nicht, was unsere wahren Bedürfnisse sind und orientieren uns an den erfolgten Handlungen mit den resultierenden Empfindungen. Dies ist allerdings so, als ob wir das Essen einer Pizza als einzigen Weg erkennen, satt und glücklich zu werden. Der Hunger als Bedürfnis mit den vielfältigen Möglichkeiten den Hunger zu stillen, bleibt uns weiterhin unbekannt.

Und wenn Bedürfnisse nicht befriedigt sind, entsteht ein emotionales Konto, auf dem immer wieder eingezahlt, oder abgebucht wird. Und bei der erneuten Verletzung des Bedürfnisses, werden die gesamten Schulden und Kontoüberzüge emotional ausgelöst und unmittelbar in Rechnung gestellt. Das ist der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Hinzukommend sind in Streßsituationen, oder in starken Veränderungsprozessen ohnehin unsere Belastungsgrenzen durch unbeachtete Bedürfnisse (mit damit verbundener negativer Emotionsrückkopplung) erreicht, weshalb gerade dann, wenn wir es am meisten benötigen, unsere Fähigkeit zur Sachlichkeit und Ruhe versagt.

Emotionen sind stark. Sie sind immer präsent. Sie können weder ein noch ausgeschaltet werden. 

Wenn wir also wollen, dass Konflikte nicht überkochen und unsere Wut nicht ins destruktive Desaster führt, müssen wir dafür sorgen unser Emotionskonto ausgeglichen zu halten. und für den Fall einer Eruption und eines extrem starken Wutempfindens benötigt dieses Gefühl die Möglichkeit sich entladen zu dürfen, ohne Schaden anzurichten, oder auf unser Emotionskonto eingezahlt zu werden.

Im Akutfall muss die Wut raus und Ausdruck bekommen, wo sie keinen Schaden anrichtet. Möglichkeiten hierzu sind beispielsweise im Wald zu schreien, sich körperlich aktiv zu verausgaben, oder mit einer nicht betroffenen Vertrauensperson zu kommunizieren.

Um das Emotionskonto dauerhaft ausgeglichen zu halten, müssen wir uns selbst wahrnehmen und dafür Sorge tragen uns selbst Gutes zu tun. Ebenso ist es erforderlich unser tatsächliches Bedürfnis zu erkennen, da es möglicherweise auch andere Wege gibt, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Und wir müssen lernen, dies zu benennen, ohne den anderen anzugreifen, ohne Erwartung und ohne Vorwurf.

Die Schlüssel heißen Kommunikation und Selbstreflexion. Beides hilft sowohl in der Akutsituation als auch in der Prävention. 

Der nächste Streit kann kommen....


Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/argument-konflikt-kontroverse-238529/

Jetzt mit Manuela Henrich-Eggert zu diesem Thema sprechen.

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