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Schlaflosigkeit - vom Schäfchenzählen und anderen Traumschlössern
Walter Schaff – Motivation & Selbstbewusstsein

„Rituale sind ein Phänomen der Interaktion", lese ich gerade bei Wikipedia. Schön, denke ich noch und dreh mich um zu Danny: „Schlaf fein, Schatz." Es dauert keine 10 Sekunden und schon schnaubt sie neben mir, die süßeste Pusteblume der Welt. Schön, denke ich wieder, wenn man so schnell einschlafen kann. Wenn man überhaupt Schlaf bekommt, statt Schlaflosigkeit. Mein Name ist Kim und seit einem halben Jahr zähle ich Schäfchen.

In dieser Woche ist Wikipedia dran. Bücher helfen nicht mehr. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ich Romane lese oder Literatur vom Fach. Ich hab sogar schon chinesisch versucht und ich verstehe wirklich nichts. Aber eingeschlafen bin ich nicht. Ich meine, ich bin müde, das schon. Mein Kopf nickt, ohne dass ich es will, und dann hör ich wieder und wieder diese eine Stimme aus dem Off: „Kim, hör auf zu jammern. Der Tag hat 24 Stunden. Das ist mehr als genug Zeit, und wenn das nicht reicht, hast Du immer noch die ganze Nacht."


Schlaflosigkeit - Gedankenkarussell statt friedliches Schafshüpfen

Ich arbeite Vollzeit, im Schichtdienst. Mein Vater hat Alzheimer und morgen steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Ich will wirklich nicht jammern. Ich bin einfach nur jung, naiv und dumm – gewesen. Und heute?

Als wir uns kennenlernten, meinte Danny gleich: „Ein gemeinsames Konto? Ach, lass mal warten. Beim Geld hört die Freundschaft ja auf. Du machst erst mal deins, ich mach meins und wenn’s hart auf hart kommt, dann sag einfach Bescheid." Aber ich kann nicht einfach Bescheid sagen. Das geht nicht. Ich schäme mich. Ich schäme mich dafür, dass ich mit 20 noch von der großen Liebe träumte, dafür, dass ich Respekt mit Vertrauen verwechselt habe, dafür dass ich anders war als heute.

Aber das ist ja alles normal. Klar, war ich früher anders. Danny weiß das. Ich weiß das. Wahrscheinlich weiß das auch der Gerichtsvollzieher, aber es ändert nichts. Ich schulde dem Finanzamt knapp 20.000 Euro. Ich habe damals mit unterschrieben und ich muss heute mitzahlen. Seit einem halben Jahr trage ich die „förmlichen Zustellungen" in meiner Tasche mit mir rum. Ich nehm sie überall mit, zur Arbeit, zum Einkaufen, sogar zum Frisör. Ich möchte nicht, dass Danny die Briefe liest. Es ist meine Vergangenheit. Es ist meine Schuld.


Bis nur noch ein Anwalt hilft

Und gestern habe ich jemanden getroffen, dem es ähnlich geht. Wir saßen zusammen beim Anwalt und warteten auf unseren Termin. Irgendwer hatte irgendwie irgendetwas durcheinandergebracht. Und so waren zwei Termine für dieselbe Zeit eingetragen worden. Mir recht. Und wenn ich ehrlich bin, es war perfekt, fast schon Schicksal. Wir sprachen erst noch über die wirklich wichtigen Dinge des Tages, Wetter, Verkehr und die neuen Preise beim Frisör. Aber schnell war klar, da war mehr. Ich meine, wir waren ja nicht dumm, jedenfalls nicht mehr. Einen Anwalt für Zwangsvollstreckungen sucht man ja nicht zum Spaß auf. Und dieser hatte dann alle Hände voll zu tun. Zwei Fälle und nur wenig Zeit.

Ich weiß wirklich nicht, woran das liegt, dass man sich so lange weigert, darüber zu sprechen. Als wenn man die Zeit einschließen könnte oder sich selbst verstecken. Geheimnisse sind schön, solange sie einen nicht selbst betreffen. Und mir ist schon klar, warum ich nicht schlafen kann, aber was mache ich schon dafür, dagegen? Ich zähle Schäfchen und dabei komm ich noch nicht mal vom Land. Und selbst das spielt keine Rolle, denn um mich auszusprechen, das könnt ich wahrscheinlich sogar auf Chinesisch.

Der Gerichtsvollzieher war übrigens ganz früh da. Danny nicht. Aber heute Abend, nach der Arbeit, habe ich einiges zu erzählen.

Kim, 29 Potsdam

  


Anmerkung der Redaktion:

Kims Bericht macht deutlich, dass Schlaflosigkeit oder Probleme beim Ein- und Durchschlafen verschiedene Ursachen haben können. Zum einen sind dies in ihrem Fall sicherlich der Gesundheitszustand ihres Vaters und ihr Job im Schichtdienst und zum anderen der krampfhafte Versuch, ihre finanziellen Probleme, die sie selbst nicht verschuldet hat, vor ihrer Partnerin geheim zu halten. Dies wirkt sich wie immer schwerer werdender Mehltau natürlich auch auf die Paarbeziehung aus, und kann leicht für Schlaflosigkeit sorgen.

Gesunder Schlaf ist wie die Reparaturwerkstatt für unseren Körper. Können wir stressbedingt nicht einschlafen und wälzen uns stundenlang von links nach rechts, werden die Probleme, die wir versuchen wegzuträumen, nicht kleiner, sondern größer.

Geht es Dir ähnlich? Siehst du aufgrund verschiedener Probleme den Wald vor lauter Bäumen nicht und möchtest etwas gegen Deine Schlaflosigkeit unternehmen? Bevor du zu chemischen Schlaferzwingern greifst, welche die Probleme kaum ursächlich lösen, sprich doch (einfach) mal mit unseren Berater*innen und Coaches.

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