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Dabei liebe ich euch beide ...
Traudel de la Roi – Beziehungen und Sexualität

… warum nur kann ich nicht entscheiden - wo ich gerne bin …

Die Angehörigen meiner Generation erinnern sich sicherlich an den Song von Jack White und den Gesang von Andrea Jürgens.

Für Kinder kann die Trennung der Eltern mit einem Trauma verbunden sein, insbesondere dann, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, partnerschaftlich und mit dem Anspruch, für das Kind oder die Kinder weiterhin gemeinsam da zu sein, unterwegs sind. Allzuoft zeigt ein Partner Verhaltensweisen auf, die dazu führen, dass die Kinder sich von dem anderen Elternteil entfremden. Sie “entsorgen” sich so ihres Ex-Partners auch in der Rolle als Vater oder Mutter.

8 Symptome weisen auf das Parental Alienation (Syndrom) oder kurz PA(S) hin:

  1. Fortgesetzte und unbegründete Zurückweisung und Verunglimpfung eines Elternteils durch das Kind. - An gemeinsame schöne Erinnerungen kann sich das Kind nicht mehr erinnern. Das Kind wertet den entfremdeten Elternteil ab, ohne Anzeichen von Verlegenheit oder Schuldgefühle zu entwickeln und beschreibt ihn generell als böse und gefährlich. Wird allerdings konkret nachgefragt, können die Vorwürfe nicht näher präzisiert werden.
  2. Absurde Rationalisierungen. - Das Kind entwickelt für seine feindselige und ablehnende Haltung irrationale und absurde Rechtfertigungen, welche in keinem Zusammenhang mit tatsächlichen Erfahrungen stehen.
  3. Fehlen von normaler Ambivalenz. In normalen Beziehungen zwischen Menschen gibt es immer eine Ambivalenz. An jedem gibt es Verhaltensweisen, die gut und weniger gut gefallen. Kinder, die von PA(S) betroffen sind, beschreiben den einen Elternteil als nur gut, den anderen als nur böse. Diese Schwarz-Weiss Spaltung ist für PA(S) besonders kennzeichnend.
  4. Reflexartige Parteinahme für den entfremdenden Elternteil. - Das Kind ergreift ohne zu zögern und ohne Anzeichen von Zweifel für den betreuenden Elternteil einseitig Partei.  
  5. Eine Ausweitung der Feindseligkeit auf die gesamte Familie und das weitere Umfeld des entfremdeten Elternteils. Kontakte zu Großeltern, Freunden und Verwandten des abgelehnten Elternteils, mit denen das Kind bislang eine gute und warme Beziehung unterhielt, werden plötzlich und ebenfalls mit absurden Begründungen abgelehnt.
  6. Das Phänomen der “eigenen Meinung”. Der “eigene Wille” und die “eigene Meinung” werden vom betreuenden Elternteil besonders gefördert und gegen den Ex-Partner verwendet.
  7. Abwesenheit von Schuldgefühlen gegenüber dem entfremdeten Elternteil. Kinder, die ein PA(S) aufweisen, hegen keine Schuldgefühle oder Mitgefühl. Sie behaupten, dass der abgelehnte Elternteil nicht unter dem Kontaktverlust leidet. Er sei selbst schuld und es sei gerecht, keinen Kontakt mehr zu ihm zu haben.
  8. Übernahme “geborgter Szenarien”. Diese Kinder schildern Szenarien und Vorwürfe, welche durch den betreuenden Erwachsenen, vermittelt wurden, die sie aber nicht selbst mit dem anderen Elternteil erfahren haben.

Es gibt sicherlich unterschiedlich schwere Ausprägungen. Eltern und damit Paare, die sich trennen, sollten sich vor Augen führen, dass es sich hier um eine gravierende Form psychischer Kindesmisshandlung handelt. Diese kann auch psychophysische Langzeitfolgen in der Persönlichkeit des Kindes und des späteren Erwachsenen zur Folge haben.

Deshalb ist es okay, sich als Paar zu trennen. Nicht okay ist es, die Kinder zu instrumentalisieren und eine induzierte Entfremdung vom anderen Elternteil zu bewirken. Aber wie so oft sind die “TäterInnen” selbst oft Opfer, d.h. sie haben möglicherweise eigene traumatische Kindheitserfahrungen durchlebt oder können die Trennung nicht richtig verarbeiten. Das entfremdete und so “verwaiste” Elternteil erfährt den Kontaktverlust und die forcierte Entfremdung als große emotionale Verletzung. Neben der Hilflosigkeit, weil oft auch institutionell nicht optimal begleitet, sind die Gefühle, die durchlaufen werden, vergleichbar mit den Trauerphasen (hier nach Verena Kast):

  1. Nicht-Wahrhaben-Wollen verbunden mit Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit.
  2. Aufbrechende Emotionen wie Wut, Zorn, Traurigkeit und Angst.
  3. Suchen und Sich-Trennen. Auf jeden Verlust reagieren wir mit Suchen. Dieses Suchen umfasst zum Beispiel gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen. In dieser Phase ist es wichtig, dass der Trauernde nicht in der Trauer verharrt, sondern wieder ja zum Leben sagt, auch ohne den Kontakt zu seinem Kind.
  4. Neuer Selbst- und Weltbezug: In der Phase geht es darum, nach vorne zu schauen und Pläne zu schmieden.

Dennoch bleibt hier, anders als im Trauerprozess um einen Verstorbenen, die Hoffnung, dass es wieder zu einem Kontakt mit dem Kind oder den Kindern kommt. Wenn die Kinder autark genug sind und sich von dem entfremdenden Elternteil lösen können, kann der Wunsch “seiner anderen Wurzel” zu begegnen, tatsächlich zu einer Begegnung führen. Die Hoffnung bleibt. 

Jetzt mit Traudel de la Roi zu diesem Thema sprechen.

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