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Warum Verniedlichungen von Geschlechtsorganen für Kinder schädlich sein können
Franziska Stawitz – Beziehungen und Sexualität

„Heute Abend Katzenwäsche: Gesicht, Achseln, Po und Schnecke“, ruft meine Freundin ihrer Sechsjährigen entgegen.

Schnecke? Wenn ich so was höre, muss ich mir jedes Mal auf die Zunge beißen, wie bei "Pullermann", "Mumu" und allen möglichen "kleinen Freunden". Manchmal gelingt es mir, oft allerdings auch nicht. „Warum nennst Du die Schnecke nicht beim Namen“, frage ich dann und gucke nicht selten in ein verdattertes Gesicht. Ungläubiges Kopfschütteln. „Nee, bei uns heißt das schon immer so. Was soll ich denn sonst sagen?“ Klingt fast schon wie ein Vorwurf.

Scheide zum Beispiel, oder Vagina, oder Vulva. Je nach Alter des Kindes lässt sich da gut differenzieren und auch erklären. Und nicht erst in Klasse 4 im Sexualkundeunterricht. Die Kinder finden zig Begriffe, wenn wir uns dort über Geschlechtsorgane unterhalten. "Pullermann", „Pimmel“, „Schniedel (-wutz)“ sind die Klassiker bei den Jungen – „Muschi“, „Mumu“ und „Schnecke“ fallen den Mädchen ein. Meist nicht ohne verschämtes Kichern. Dass Vagina und Penis benannt werden ist eher die Ausnahme. Und: viele hören diese Begriffe auch zum ersten Mal.


Mit "Pullermann", "Mumu" & Co schalten wir in den Kuscheltier-Modus - und vermitteln damit was eigentlich?


Wir bringen unseren Kindern bei, wie ihre Körperteile heißen, nur wenn es um die „korrekte“ Bezeichnung ihrer Geschlechtsorgane geht, kneifen wir. Machen einen großen sprachlichen Bogen drum herum. Verniedlichen, wo es nichts zu verniedlichen gibt. Erfinden Begriffe. Oder, wir halten uns an denen fest, die wir auch schon von unseren Eltern gehört haben. Schade. „Irgendwie ist das doch komisch, wenn ich ihr sage, dass sie eine Vagina hat“, bekomme ich dann öfter zu hören. Nein, überhaupt nicht! Ganz im Gegenteil – gebe ich den Dingen Namen, ändert sich meine Beziehung zu ihnen. Das wirkt identitätsstiftend und verleiht unseren Geschlechtsorganen den nötigen Ernst, den sie verdienen.


Manchmal bleibt dann Scham


Fehlen uns als Kindern die Worte in Beziehung zu unseren Geschlechtsorganen, fehlen sie uns mitunter später auch in unserer Partnerschaft. „Berühre mich mal bitte an meinem Pullermann oder an meiner Schnecke“ sagt kein Mensch. Lieber sagen wir gar nichts. Brauchen uns dann allerdings über Sprachlosigkeit im Bett nicht zu wundern. Und lassen die Chance verstreichen, uns wirklich mit unseren Wünschen und Bedürfnissen zu zeigen und sie klar mitzuteilen. „Bitte übe mehr Druck auf meinen Penis aus“ – damit können wir was anfangen. Und so ist der Weg offen für eine gelingende Kommunikation und ein erfülltes Sexualleben.

Jetzt mit Franziska Stawitz zu diesem Thema sprechen.

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